7 Fragen an Nicole Barandun zum Stichwort «unabhängig»
Was ist gemeint, wenn eine Bank behauptet: Wir sind unabhängig?
Dass sie nicht von einer Holding oder ausländischen Akteuren dominiert wird. Dass sie gewisse Entscheide nicht treffen muss, sondern treffen darf – und sie vom Geschäftsmodell her möglichst frei ist. Oder dass sie die Freiheit hat, jene Leute einzustellen, die zu ihrer Philosophie passen. Es gibt viele Faktoren, die zur Unabhängigkeit beitragen.
Inwiefern ist die Sparhafen Bank unabhängig?
Die Unabhängigkeit ist ihre Wurzel. Vor 175 Jahren fanden Geschäftsleute in Zürich: Wir machen eine Bank, die unseren Bedürfnissen entspricht und die uns dabei unterstützt, selbstständig arbeiten zu können. Die Rechtsform, die sich daraus ergab – wir sind als Genossenschaft organisiert –, entspricht diesem Gedanken. Der Sparhafen ist nur der Kundschaft, der Genossenschaft und der Finma Rechenschaft schuldig. Er ist nicht Teil eines grösseren Konstrukts.
Was hat die Kundschaft davon, dass der Sparhafen unabhängig agiert?
Die Kundschaft profitiert davon, dass wir ohne Druck auf ihre Bedürfnisse eingehen und uns ganz auf sie konzentrieren können. Niemand sagt uns, welche Kunden und Kundinnen wir haben sollen, wem wir Kredit geben. Wir entscheiden aufgrund unserer Strategie, unserer grossen Erfahrung und unserer lokalen Verankerung. Ausserdem bieten wir unserer Kundschaft bei den Anlagen jene Produkte an, die zu ihnen passen – und nicht einfach jene, die wir selbst entwickelt haben.
Die Regulation wird im Bankenwesen immer dichter. Kann eine kleine Bank wie der Sparhafen langfristig unabhängig bleiben?
Das ist eine berechtigte Frage, denn die Regulierung nimmt spürbar zu. Allerdings profitieren kleinere Banken von gewissen Erleichterungen, und das ist gut so. Wir sind zudem Mitglied des Verbands Schweizer Regionalbanken und können so auf Knowhow zugreifen. Der Sparhafen agiert also nicht im luftleeren Raum.
Wir sind alle eingebunden in ein System von expliziten oder impliziten Regeln, wir sind auf andere angewiesen. Ist Unabhängigkeit nur eine Illusion?
Es gibt die Pflicht und die Kür – nach dem Prinzip «Tu, was du tun musst, aber auch das, was du tun willst». Gewisse Anforderungen müssen wir erfüllen; je enger wir zusammenleben, desto mehr Regeln braucht es, damit auch die Freiheit der anderen geschützt ist. Daneben bleibt aber immer noch sehr viel Spielraum für eigene Entscheide.
Wie wichtig ist Ihnen persönlich Unabhängigkeit?
Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, in der Unabhängigkeit für Frauen erst allmählich zur Selbstverständlichkeit wurde. Damals war es noch üblich, dass man die eigene wirtschaftliche Freiheit aufgibt, wenn man eine Familie gründet, und sich um die Bildung der Persönlichkeit der nächsten Generation kümmert – das war gar kein so schlechtes Modell. Dennoch habe ich immer gearbeitet, ich war immer selbstständig tätig. Ich würde aber nie ohne meine Familie und meinen Mann leben wollen. Natürlich muss ich viele Konzessionen machen, ich bekomme aber auch sehr viel zurück.
Bedeutet Unabhängigkeit immer auch einen gewissen Verzicht auf Sicherheit? Man ankert nicht, sondern fährt einen eigenen Kurs?
Für mich als Unternehmerin ist das auf jeden Fall so. Es wäre wohl manchmal einfacher, sich anstellen zu lassen und sein Kapitänsbrevet abzugeben. Aber Unabhängigkeit bedeutet auch enorm viel Freiheit. Die nutzen wir als Bank. Wir wägen Risiken ab und entscheiden zum Beispiel, welche Projekte wir starten und welche wir aufgeben. Die Finma gibt uns vor, wie wir für Sicherheit für unsere Kundinnen und Kunden sorgen müssen – aber wie wir unser Unternehmertum gestalten, ist uns überlassen.
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